Atomausstieg: Der Weg zur Energie der Zukunft

Deutschland steht vor einem grundlegenden Umbau seiner Energieversorgung in das Zeitalter der erneuerbaren Energien. Dazu hat der Deutsche Bundestag hat am 30.06.2011, der Deutsche Bundesrat am 08.07.2011 die Weichen gestellt Hochspannungsmast und Windrad Bild vergrößern Strom auf dem Weg zum Arbeitsplatz (© dpa/pa)

Schrittweise wird bis spätestens Ende 2022 vollständig auf die Stromerzeugung in deutschen Kernkraftwerken verzichtet. Die schon abgeschalteten sieben ältesten Kernkraftwerke sowie das Kernkraftwerk Kümmel gehen nicht wieder ans Netz. Der schnellere Ausstieg aus der Kernenergie erfordert, dass der mit dem Energiekonzept der Bundesregierung vom Herbst 2010 begonnene Umbau der Energieversorgung beschleunigt werden muss. Dabei bleibt Klimaschutz ein entscheidender Treiber. Denn an den im Energiekonzept vereinbarten Klimaschutzzielen wird festgehalten.

Damit sind wichtige Investitionssignale für Innovationen und technologischen Fortschritt gesetzt. Denn sowohl der Ausbau erneuerbarer Energien (EE) als auch die Steigerung der Energieeffizienz führt zur Entwicklung neuer Produkte, neuer Technologien und neuer Exportmöglichkeiten. Deutsche Unternehmen sind in diesen Bereichen heute bereits gut aufgestellt und sie haben beachtliche Wachstumschancen. Schon heute beschäftigt die Branche der erneuerbaren Energien rund 370.000 Menschen. Bis 2030 kann sich die Beschäftigung auf mehr als eine halbe Millionen weiter erhöhen, abhängig insbesondere von der Entwicklung der Energiepreise sowie den Exporterfolgen der deutschen EE-Branche.

Der tief greifende Umbau der Energieversorgung in Deutschland ist eine Aufgabe für die nächsten Jahrzehnte. Dies bedeutet vor allem eine Chance für kommende Generationen.


FAQs zum Ausstieg aus der Kernenergie in Deutschland

Was sind die entscheidenden Gründe für die BuReg, bis 2022 komplett aus der Kernenergie auszusteigen? 

Entscheidend für die beschleunigte Abkehr von der Kernkraft ist, dass ein Restrisiko der Kernkraft nicht auszuschließen ist. Das Beispiel Fukushima in einem High-Tech Land hat aufgezeigt, dass Fehleinschätzungen möglich sind. Dass deutsche KKW nach internationalem Standard vergleichsweise sicher einzuschätzen sind, ändert an dieser grundsätzlichen Einschätzung nichts. 

Ist DEU vorbereitet, innerhalb von nur 10 Jahren komplett aus der Kernenergie auszusteigen?

Der Ausstieg ist schon lange Konsens in der Bundesregierung und wurde bereits im Energiekonzept 2010 festgeschrieben. Jetzt wird allerdings der Weg dahin kürzer. Zahlreiche Studien belegen übereinstimmend, dass ein Umbau der Energiewirtschaft ohne Kernenergie möglich ist und langfristig große Chancen und wirtschaftliche Vorteile bieten kann. Der  wegfallende Anteil der Kernenergie an der Stromerzeugung soll mittelfristig durch neue,  effiziente fossile Kraftwerke, den Ausbau und eine fortschreitende Marktintegration der erneuerbaren Energien sowie eine Steigerung der Energieeffizienz kompensiert werden.

Wird DEU auf andere Staaten einwirken, ebenfalls aus der Kernenergie auszusteigen?

Jedes Land hat das Recht, über die Form seiner Energieversorgung frei zu entscheiden. Die Rolle Deutschlands wird in Zukunft darin liegen, mit der Gestaltung der Energiewende in Deutschland Alternativen zur Nutzung der Kernenergie aufzuzeigen und so zur Nachahmung anzuregen. Deutschland ist hinsichtlich der Kernkrafttechnik an möglichst hohen internationalen Sicherheits-Standards interessiert und strebt hierzu internationalen Austausch an.

Wie wirkt sich die Entscheidung zum Ausstieg auf DEUs Energiekonzept aus? 

Das Energiekonzept bleibt der Kompass der künftigen Energiepolitik. Die Ziele und die Ausrichtung des Energiekonzepts bleiben bestehen. Die Maßnahmen - insbesondere zum Netzausbau, Ausbau der Windkraft und Erneuerung des Kraftwerksparks - werden beschleunigt umgesetzt.

Wie wird DEU die fehlenden 23% an Elektrizität ersetzen? 

Deutschland kann die derzeit stillgelegten Kernkraftwerke sicher mit vorhandenen Reserven und moderaten Importen kompensieren. Im Frühjahr standen z. B. aufgrund des Moratoriums und anfallender Revisionen kurzzeitig 12 von 17 KKW still; dies konnte mit den vorhandenen Reserven, durch Stromimporte und der vorhandenen Netzinfrastruktur kompensiert werden. Selbstverständlich kann hier nicht generalisiert werden. Anspruchsvoller als im Frühjahr ist die Situation in den nächsten beiden Wintern. Aber auch insoweit gehen wir davon aus, dass die deutsche Energiewirtschaft diese anspruchsvolle Aufgabe meistern wird. Die im Zeitablauf bis 2022 nach und nach vom Netz gehenden weiteren Erzeugungskapazitäten deutscher KKW, die in Deutschland bisher rund 23 % Elektrizität produzierten, sollen zukünftig durch einen Mix aus weiterem Ausbau der erneuerbaren Energien, Zubau bereits geplanter und weiterer fossiler Kraftwerke, Energieeffizienz und eine Nutzung auch der Möglichkeiten des  internationalen Stromverbund kompensiert werden.

Stellen Erneuerbare eine ausreichende Alternative dar?

Ja. Zahlreiche und umfassende Studien (u.a. Energieszenarien für ein Energiekonzept der Bundesregierung, Leitstudie des BMU) belegen, dass die erneuerbaren Energien einen Hauptanteil des Energiemix der Zukunft übernehmen können. Für eine sichere Energieversorgung wird jedoch bei einem erheblichen Zuwachs von fluktuierender Erzeugung aus Windkraft und Sonnenenergie solange auch ein Zubau von konventionellen Kraftwerken erforderlich sein, bis es ausreichende wirtschaftliche Möglichkeiten der langfristigen Speicherung von elektrischer Energie gibt. Es könnte aber auch der Import, z.B. von Solarstrom aus Ländern Nordafrikas, perspektivisch und langfristig einen Beitrag für die zukünftige europäische Energieversorgung leisten. Wichtig ist aber, dass der Stromverbrauch insgesamt zurückgeht. Und dazu müssen wir die Energieeffizienz weiter voranbringen.

Hat der schnellere Ausstieg Auswirkungen auf die Klimaschutzziele Deutschlands?

Der Kernkraftausstieg ist im Grundsatz klimaneutral. Zwar werden durch den Ausstieg die CO2-Emissionen im deutschen Stromsektor zunehmen. Dieser Anstieg wird durch den Emissionshandel jedoch in anderen Sektoren in Deutschland und Europa vollständig kompensiert. Damit bleiben auch kurzfristig die Treibhausgasemissionen in Europa konstant, weil der Emissionshandel eine EU-weite Obergrenze für Treibhausgasemissionen setzt. Die deutschen Klimaschutzziele haben unverändert Gültigkeit.

Welche Kosten sind mit dem schnellerem Ausstieg aus der Kernenergie  verbunden?

Der Ausstieg ist nicht zum Nulltarif zu haben. Durch den Wegfall der Stromerzeugung aus Kernkraftwerken ist kurz- und mittelfristig mit höheren Strompreisen zu rechnen. Aktuelle Studien gehen von einem direkt dem schnelleren Ausstieg zurechenbaren Strompreis-Anstieg in der Größenordnung von einem Cent pro Kilowattstunde aus. Die Bundesregierung verfolgt vor diesem Hintergrund das Ziel, den Weg in das regenerative Zeitalter gangbar, wirtschaftlich und auch ökonomisch nachhaltig zu gestalten.

Was macht die Bundesregierung, um die Belastungen für die energieintensive  Industrie zu mindern?

Die rund eine Million Beschäftigen in der energieintensiven Industrie leisten einen wichtigen Beitrag für de Wertschöpfung in unserem Land. DEU soll auch in Zukunft ein wichtiger Industriestandort mit wettbewerbsfähigen Energiepreisen bleiben. Da auf die energieintensiven Unternehmen ab 2013 emissionshandelsbedingte Strompreiserhöhungen zukommen, sieht die Bundesregierung eine Kompensation aus Mitteln des Energie -und Klimafonds vor und setzt sich bei der Europäischen Kommission für die Genehmigung dieser staatlichen Beihilfe ein. Zudem sieht die Novelle des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) eine Ausweitung der besonderen Ausgleichsregelungen zur Entlastung stromintensiver Unternehmen bei den EEG-Umlagekosten vor.

Ausstieg aus der Atomenergie

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